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Visa: der Blick hinter die Karte

Täglich in Verwendung von immer mehr Leuten: Dienste von Visa oder Mastercard. Entweder die Plastikkarte selbst oder durch Google bzw. Apple Pay wird bequem bezahlt. Trotzdem wissen nur wenige, was Unternehmen wie Visa oder Mastercard konkret leisten. Speziell während der aktuellen COVID-19 Krise (Stand Ende Oktober 2020) werden die digitalen Zahlungsdienstleister immer relevanter. Der Weg vom Bargeld zur Plastikkarte: was Visa macht – und ausmacht. Wir wollen den Blick hinter die Karte wagen.

Überblick

WKN: A0NC7B
ISIN: US92826C8394
Symbol: V
Hauptsitz: San Francisco, Kalifornien, Vereinigte Staaten
Akt. Aktienkurs: 193,07 USD
Dividende: 0,6%
Unternehmenswert: ca. 433 Mrd. USD
Sektor/Branche: IT, Finanzdienstleistung
Datum: 26.10.2020

Tätigkeitsbereich

Visa ist ein international tätiges Kreditkartenunternehmen, das Kunden eine digitale Bezahlung an Stelle von Bargeld oder Schecks ermöglicht.
Der Konzern verbindet weltweit Konsumenten, Banken und Händler miteinander. Mehr als 3,3 Milliarden Visa-Kreditkarten sind bereits ausgegeben und ermöglichen damit eine Alternative zu herkömmlichen Zahlungsmitteln. Zudem hat der Konzern eines der weltweit fortschrittlichsten Computernetzwerke aufgebaut. Dieses ist in der Lage, über 47.000 Transaktionen pro Sekunde zu verarbeiten.

Visa-Karten sind weltweit einsetzbar und währungsunabhängig, da ein globales Netzwerk aus Akzeptanzstellen und Geldautomaten aufgebaut wurde.

Verschiedene Kartentypen und Bezahlweisen gehören zum Produktportfolio des Konzerns:

  • Sofortzahlung bei Abbuchung (Debitkarten)
  • vorzeitige Zahlung mit Guthaben (Prepaidkarten)
  • spätere Zahlung bei Kredit (Kreditkarten)

In diesem Zusammenhang ist das Unternehmen auch in der Entwicklung von neuen Technologien hinsichtlich eCommerce und mobile Zahlung aktiv, um sichere und individuelle Zahlungsarten zu erarbeiten. Kartenprodukte werden dabei nicht selbst vom Unternehmen, sondern durch Mitgliedsbanken herausgegeben.
Eine der wichtigsten Kerntätigkeiten von Visa ist also auch die Risikobewertung einer Zahlung und das Erstellen eines Liquiditätsprofils der Kunden.

Was steckt hinter der Visa-Karte?

Hinter Kredit- und Debitkarten steckt ein komplizierter Prozess, der im Hintergrund jeder bargeldlosen Zahlung abläuft.

Ein Geschäft per Kreditkarte läuft nach folgendem Schema ab:

  1. Der Kunde bezahlt einen Artikel mit Kreditkarte
  2. Das POS Gerät übermittelt die Kaufdaten über das Kreditkartennetzwerk an die Bank des Kunden
  3. Die Bank entscheidet, ob die Zahlung bestätigt oder abgelehnt wird
  4. Die Information wird über das Kreditkartennetzwerk an die Händlerbank und zurück an das Händlerterminal geleitet
  5. Bei bestätigter Zahlung bekommt der Kunde seinen Artikel und der Händler bekommt die Zahlung des Kaufs garantiert
  6. Die Bank des Kunden sammelt alle Zahlungen und leitet diese gebündelt an den Händler. Hier nehmen sich alle Teilnehmer ihren Anteil. Der Händler zahlt effektiv 2% Gebühren, für Kunden ist der Bezahlvorgang meist kostenlos.

Visa fungiert hier als Schnittstelle zwischen allen Parteien, egal ob mit Apple Pay, Offline mit Bankkarte, PayPal oder Auslandswährung.

Bargeldloses Zahlen: Visa profitiert und COVID-19 verstärkt diesen Trend.

Peergroup

Mastercard

Mastercard und Visa operieren mit demselben Geschäftsmodell, haben eine gemeinsame Zielgruppe und sind ähnlich aufgebaut. Damit steht es insgesamt unentschieden – Visa punktet jedoch mit höheren Margen und einem höheren Marktanteil. Trotzdem bietet der Markt genug Platz für diese sog. Duopol.

American Express

Auch American Express ist ein Kreditkartenunternehmen und hatte in der Vergangenheit in den USA in weiten Teilen ein Monopol. Aber auch in Europa sind „AMEX“ Karten erhältlich. Inzwischen schwinden Marktanteile aber immer mehr. Hauptgrund: AMEX verlangt deutlich höhere Gebühren als die Konkurrenz. Außerhalb von den USA ist American Express deutlich weniger vertreten und auch innerhalb der Vereinigten Staaten wird der Stellenwert immer kleiner. Die EU selbst hat per Gesetz Kreditkartengebühren gedeckelt und so Wucherpreise einen Riegel vorgeschoben.

Allerdings: American Express ist es gelungen, seine Kreditkarten als Statussymbole am Markt zu etablieren und in gewisser Hinsicht so ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen.

Paypal

PayPal ist ein führender Online-Bezahldienst für Transaktionen im Internet. Das Unternehmen versucht Kunden eine möglichst einfache und bequeme aber auch sichere Bezahlmöglichkeit im Internet zu bieten. Das PayPal-Konto ist virtuell und PayPal übernimmt den Transfer von Zahlungen zwischen den Vertragspartnern. Des Weiteren kann über ein PayPal-Account eine virtuelle Kreditkarte erstellt werden, die dann innerhalb Google oder Apple Pay verwendet werden kann. Aber PayPal akzeptiert auch alle anderen gängigen Kreditkarten und in der Vergangenheit hat es immer wieder Kooperationen mit Visa gegeben.

Burggraben

Im Duopol mit Mastercard hat Visa einen enormen Bruggraben.
Bargeld wird immer weniger genutzt. Visa und Mastercard sind an der Position, wo sie an beinahe jeder bargeldlosen Zahlung mitverdienen. Und es werden immer mehr Zahlungen.

Visa und Mastercard bieten nicht einfach eine Dienstleistung an, sondern sie verkaufen einen genormten Standard. Außerhalb von China haben sie rund 95% Marktanteil. Wenn aber ein Händler nicht Visa und Mastercard anbietet, dann können Kunden bei diesem auch nicht mit der bevorzugten Kreditkarte bezahlen.

Chart & Dividende

Visa kommt auf eine operative Marge von 65%. Mastercard und Visa haben eines der profitabelsten, legalen Geschäftsmodelle der Welt – das sogar noch um rund 10% p.a. wachsen kann.

Visa zahlt auf das Gesamtjahr gesehen 1,20 US-Dollar an die Anteilsinhaber. Dies entspricht beim derzeitigen Börsenkurs von 193,07 US-Dollar (Stand: Oktober 2020) einer aktuellen Dividendenrendite von 0,6 Prozent. Im Jahr 2008 zahlte Visa erstmals eine Dividende (0,0263 US-Dollar). Seitdem wurde die Dividende jedes Jahr deutlich angehoben. Auch wenn die Dividende gering erscheint, haben wir es hier mit einem starken Dividendenwachstum zu tun.

Kumulierte Rendite der letzten Jahre (Kursgewinne inkl. Dividenden) (Quelle: aktienfinder.net)

Der Blick auf das Chart-Diagramm lässt bei Aktionären kaum was zu wünschen übrig. Nur wenige Unternehmen können seine solch stetige Aufwärtsbewegung bei einem so rasanten Tempo vorweisen. Im Jahr 2016 konnte man die Aktie noch für unter 64€ pro Stück erwerben, zu Höchstzeiten vor der Corona-Krise dotierte die Aktie fast 3 mal so hoch, nach knappen 5 Jahren.

Deutlich mehr zu schaffen macht der Aktie das aktuell laufende Jahr 2020. Nach einem deutlichen Einbruch zu Beginn der Krise konnte sich der Aktien-Kurs zwar wieder einigermaßen fangen, liegt aber aktuell noch immer deutlich unter dem All-Time-High. Grund dafür dürfte vor allem der aktuell geringere Konsum sein. Aber auch die Jahres-End-Rally 2019 sorgte vor fast einem Jahr zu einem rasanten Kursanstieg.

Ausblick

Der Trend weg vom Bargeld hin zur Plastikkarte wächst stetig. Auch jetzt in Corona-Zeiten verzichten viele auf den Austausch der unhygienischen Papierscheine, bezahlen lieber kontaktlos und werden in einigen Geschäften sogar dazu aufgefordert.

Auch wenn momentan der generelle Konsum rückläufig scheint, wird dieser sich bei Erholung der Pandemie und sinkenden Arbeitslosen-Zahlen wieder fangen. Da auch die laufenden Kosten des Unternehmens selbst im Vergleich zu anderen Unternehmen gering sind, kann Visa als recht solvent eingestuft werden.

Kritik & Risiko

Die hohe Marge an Gebühren ist besonders für kleinere Geschäfte nicht tragbar. Gerade solche Unternehmen verzichten also auf Kreditkartenzahlungen. Ob das langfristig die richtige Strategie ist, kann angezweifelt werden.

Immer mehr FinTech-Unternehmen schnellen auf den Markt und wollen Marktanteile von Mastercard und Visa abgraben. Der Burggraben scheint für viele jedoch aktuell kaum überwindbar.

Bewertungen

Visa-Aktien haben in den vergangenen zehn Jahren +932,1% an Wert gewonnen, was einer jährlichen Performance von im Mittel +26,3% entspricht. Parallel dazu ist das Anlagerisiko als deutlich unterdurchschnittlich einzuordnen. Visa verzeichnet seit mindestens zehn Jahren höhere und konstantere Kursgewinne bei weniger und vergleichsweise geringeren Rücksetzern als 99,9% aller weltweit börsennotierten Aktien. Trotzdem kann von der Vergangenheit nicht auf die Zukunft geschlossen werden!

Gerade diese Konstanz schlägt sich natürlich auch im Preis nieder. Visa ist seit Langem schon kein Schnäppchen mehr und auf Kurs-Rücksetzer zum Einsteigen warten viele bereits vergeblich. Hier stellen sich jedoch wieder die Vorzüge eines Sparplans in den Vordergrund. Wer das Glück mit richtig getimten Einzelkäufen zu Spitzenzeiten der Einbrüche der Aktienmärkte hatte, kann sich aktuell freuen. Aber auch ein zweiter Einbruch der Aktienmärkte kann mit aktuellem Wissen nicht ausgeschlossen werden.

Selbst das Coronavirus kann Visa und Mastercard nicht stoppen und zwang den jeweiligen Aktienkurs nur kurzzeitig in die Tiefe. Auch fundamental sind die beiden Kreditkartenriesen sehr gut aufgestellt. Stetig steigende Umsätze und Gewinne sowie fantastische Margen zeichnen Visa aus.

Einschätzung nach Peter Lynch

 MerkmalEmpfehlung
Slow Growershohe Dividende, Wachstum >3%kaufen wenn Dividende über eigenem Durchschnitt
Stalwartsmittlere Dividende, Wachstum 5-10%kaufen wenn KGV unter eigenem Durchschnitt
Fast Growerskleine Dividende, Wachstum >10%Buy & Hold
Zyklikerabhängig von Konjunkturkaufen bei geringen Margen, verkaufen bei hohen Margen
Turnaroundskurz vor Insolvenztiefes Verständnis nötig, größtes Risiko dafür größte Chancen
Assetplayversteckte Assets

Nach Peter Lynch handelt es sich bei Visa um einen Fast-Grower. Damit beschreibt er ein Unternehmen, welches schneller wächst als der Marktdurchschnitt. Anstatt Gewinne an Aktionäre weiterzugeben, bringen Reinvestitionen immer mehr Wachstum. Deshalb fällt die Dividende bei Fast-Growern meistens aus oder ist wie bei Visa sehr gering.
Hier rät Lynch zu einem klassischen Buy&Hold-Verhalten um sich dann in Zukunft über potenzielle Kurs-Gewinne zu freuen.

Fazit

Visa und Mastercard haben ein einzigartiges Geschäftsmodell. Sie besitzen jeweils ein Netzwerk, durch das beinahe jede bargeldlose Zahlung fließen muss. Und genau dieser Schritt birgt eine lukrative Gewinnmarge mit beachtlichem Burggraben. Bargeldlose Bezahlungen werden immer beliebter während die Bargeldgrenze von Staaten sinkt. Natürlich profitiert Visa auch von diesem Trend.

Was verrät uns also der Blick hinter die Karte von Visa? Das Unternehmen hat einen der größten Burggräben der Welt, ist hochprofitabel mit rund 60% operativer Marge und wächst sehr konstant mit rund 10% p.a.

Auch wenn Visa akutell die etwas höhere operative Marge und einen größeren Marktanteil im Vergleich zu Mastercard einnimmt, nehmen sich beide Unternehmen nicht viel und sind quasi ebenbürtig.

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Dieser Artikel versteht sich nicht als Anlageempfehlung sondern gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder.

weitere Quellen: visa.de, wikipedia.org, finance.yahoo.com, google finance, aktienfinder.net

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