Wirecard – Analyse eines deutschen Fintech-Giganten

Wirecard ist ein im DAX und TecDAX gelistetes deutsches Zahlungsdienstleistungsunternehmen. Gegründet wurde es 1999 und hieß bis 2005 InfoGenie AG. Besonders auffällig ist der stark schwankende Kurs 2019, während viele andere Großkonzerne gerade dieses Jahr kräftig zulegen konnten. Grund dafür dürfte vor allem die stetige Kritik an den laut Financial Times nicht lupenreinen Jahresabschlüsse sein.

Überblick

WKN: 747206
ISIN: DE0007472060
Hauptsitz: Aschheim bei München
akt. Aktienkurs: 116,40 Euro
Dividende: 0,17%
Unternehmenswert: 14,8 Mrd. Euro
Sektor/Branche: elektronische Zahlvorgänge & Risikomanagement

Tätigkeitsbereich

Wirecard ist vor allem im Finanztechnologie-Sektor beheimatet. Mobiles Bezahlen ist eines der Kernthemen des Unternehmens. Auch die Kreditwürdigkeit von Kunden wird geprüft und garantiert. Außerdem versucht man sich mittlerweile in der Digitalisierung des Einzelhandels.

Peergroup

  • eBay
  • Total System Service
  • The Western Union Company

Kritik

Immer wieder kommen Vorwürfe auf, Wirecard würde Bilanzfälschung betreiben. Bereits 2008 behauptete die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, falsche Bilanzierung liege vor. In den folgenden Jahren finden weitere Vorwürfe statt, bis hin zum aktuell letzten Fall, bei dem die Financial Times erneut Manipulation vorwirft. Die Klagen wurden zwar abgewiesen (meistens da versuchte Kursmanipulation erkannt wurde), trotzdem fielen die Kurse teilweise fast 70%. Unabhängige Wirtschaftsprüfer arbeiten momentan am aktuellen Vorwurf.

Inwieweit etwas an den Behauptungen der Bilanzfälschung dran ist, kann man nur nach dem Gerichtsurteil schließen. Ob einem komplett unschuldigen Unternehmen solche Vorwürfe auch regelmäßig widerfahren würden, sei dahingestellt.

Chart

5-Jahres-Chart
IntervallPerformance
1 Woche-1,2%
1 Monat-1,9%
6 Monate-19%
1 Jahr-17,3%
3 Jahre+182,9%
5 Jahre+239,8%

Ausblick

Der Trend geht in Richtung Privatkundengeschäft: 2020 will Wirecard sein eigenes Girokonto anbieten und dabei wird eine überraschend hohe Verzinsung versprochen. Trotz dem Verzicht auf Kontoführungsspesen sollen 0,75% Zinsen auf Guthaben im Girokonto bezahlt werden. Auch weitere Finanzprodukte wie Sparpläne und Versicherungen sollen nach und nach hinzukommen.

Risiken

Neben dem Risiko, dass Wirecard aufgrund von Bilanzfälschung angeklagt wird, arbeiten mittlerweile auch viele andere Unternehmen an digitalen Bezahltechnologien und alternativen Möglichkeiten. Einige Zeit hatte Wirecard in diesem Segment wenig Konkurrenz, doch die Lukrativität lockt weitere Player in die Branche.
2020 will das Unternehmen zudem sein Geschäftsbereich erweitern und in ein Segment eindringen, welches momentan stark umkämpft scheint. Um sich dort zu beweisen, werden Margen anfangs wahrscheinlich geringer ausfallen. Trotzdem könnte sich hieraus langfristig ein weiteres Standbein bilden.

Analyse

Piostroski F-Score

#KriteriumWertPunkte
1Positive Kapitalrendite?ja1
2Operativer Cashflow positiv?ja1
3Gesamtkapitalrendite höher als im Vorjahr?ja1
4Cashflow > Jahresüberschuss?ja1
5Verschuldung sinkend?nein0
6Liquidität 3ten Grades steigend?ja1
7Aktienanzahl nicht höher als im Vorjahr?ja1
8Rohmarge höher als im Vorjahr?nein0
9Kapitalumschlag höher als im Vorjahr?ja1
Gesamt:7

Der Piotroski F-Score, betrachtet vor allem Finanztechnische Kennzahlen. Mit 7 Punkte wird hierbei zum Kauf tendiert.

Levermann-Score

#KriteriumWertePunkte
1Eigenkapitalrendite18,07%0
2EBIT-Marge21,78%+1
3Eigenkapitalquote32,73%+1
4KGV 5 Jahre33,72-1
5KGV aktuell30,74-1
6Analystenmeinungenmehrheitlich kaufen-1
7Reaktion Quartalszahlen<-1%-1
8Gewinnrevision2019 : -2.08 %
2020 : -1.72 %
0
9Kurs heute vs Kurs vor 6 Monaten-17,5%-1
10Kurs heute vs Kurs vor 12 Monaten-14,9%-1
11Kursmomentum steigendnein0
12Dreimonatsreversalschlechter als DAX+1
13Gewinnwachstum34.91 %+1
Gesamt:-2

Empfehlung des Levermann-Score bei DAX-Unternehmen:
– Kauf bei ≥ 4 Punkten
– Verkauf bei ≤ 2 Punkten

Empfehlung des Levermann-Score bei restlichen Unternehmen:
– Kauf bei ≥ 7 Punkten
– Verkauf bei ≤ 4 Punkten.

Folglich liegt laut Levermann hier ein Verkaufssignal vor.

Einschätzung nach Peter Lynch

 MerkmalEmpfehlung
Slow Growershohe Dividende, Wachstum >3%kaufen wenn Dividende unter eigenem Durchschnitt
Stalwartsmittlere Dividende, Wachstum 5-10%kaufen wenn KGV unter eigenem Durchschnitt
Fast Growerskleine Dividende, Wachstum >10%Buy & Hold
Zyklikerabhängig von Konjunkturkaufen bei geringen Margen, verkaufen bei hohen Margen
Turnaroundskurz vor Insolvenztiefes Verständnis nötig, größtes Risiko dafür größte Chancen
Assetplayversteckte Assets

Nach Peter Lynch handelt es sich um einen Fast Grower. Folglich empfiehlt dieser ein Buy & Hold.

Fazit

Wirecard ist ein sehr spannendes Unternehmen, wenn es um Technologie dahinter geht. Auch der Ausblick in die Zukunft ist vielversprechend, sollten die vorgenommenen Neuankündigungen erfolgreich eingeführt werden.
Die Aktie selbst ist jedoch nichts für schwache Nerven: Anleger hatten in den vergangenen Monaten keine leichte Zeit. Besteht jedoch gerade dank des Trubels im zurückliegenden Jahr eine interessante Einstiegsmöglichkeit? Das stetige Umsatzwachstum stimmt uns positiv und sollten sich die Vorwürfen gegen Wirecard wieder legen, hat der Kurs deutlich Potential nach oben!
Was uns sehr gut am Unternehmen gefällt ist, dass der CEO Dr. Markus Braun selbst großes Vertrauen in sein Vorhaben hat: mit aktuell 7,05% ist er der größte Anteilseigner am Wirecard Konzern!

Dieser Artikel versteht sich nicht als Anlageempfehlung sondern gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder.

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