Crashpropheten & Krisen-Wetten

In letzter Zeit wurden immer mehr Artikel und Interviews von teilweise selbsternannten, aber auch anerkannten Experten veröffentlicht, bei denen ein gigantischer Crash für das Jahr 2020 vorhergesagt wird. Eine Vielzahl von Problemen wird angesprochen, aber auch Fakten so zu Recht gebogen, dass sie zur prophezeiten These passen. Was hat es also wirklich damit auf sich?

Wer sind diese „Propheten“ wirklich?

Zwei der aktuell bekanntesten im deutschsprachigen Raum:

Dirk „Mister DAX“ Müller

Dirk Müller ist Fondsmanager und Buchautor und wurde vor allem durch eine „tatsächliche Crash-Vorhersage“ bekannt. Kritisiert an ihm wird vor allem, dass er ständig vor der nächsten Krise warnt, aber sich sehr vage in seinen Aussagen hält.
Das Handelsblatt schreibt zu seinem Buch „Crashkurs“: „Seine Aussagen sind deutlich, gehen allerdings nicht allzu weit ins Detail.“

Dr. Markus Krall

Markus Krall ist Volkswirt, Autor und Vortragsredner zur Thematik Geldpolitik. 2007 versuchte er eine eigene europäische Ratingagentur zu gründen, um den US-amerikanischen Agenturen Moody’s, Fitch und Standard&Poors die Stirn zu bieten, scheiterte jedoch bei seinem Vorhaben. Außerdem ist Krall seit September 2019 Vorstandsmitglied und Sprecher der Degussa Gold GmbH.

Was wird vorhergesehen?

Dirk Müller hält sich wie so oft sehr bedeckt. Er nennt weder Datum noch Zeitraum. Was jedoch laut ihm sicher ist, es wird der größte Crash aller Zeiten!

Dr. Markus Krall hingegen weiß es genau: im dritten Quartal 2020 wird der Euro sterben. Grund dafür ist die Nullzinspolitik der EU und die damit nicht in den Konkurs getriebenen „Zombieunternehmen“. 

„Es sind viele Leute, die an einer Panik Interesse haben“

André Kostolany

Kritik an den Propheten

Was vor allem auffällt ist, dass jedem dieser Propheten die Panik der Menschen in die eigenen Karten spielt. Sei es als Autor und Betreiber eines „Premium Fonds“, der in Realität deutlich schlechter performt als ein MSCI World, aber auch als Vortragsredner zu Crash-Themen und als Vorstandsmitglied bei einem der größten deutschen Edelmetallhändler

Dass es hier zu einem Interessenkonflikt zwischen selbstständigen Wertpapieranlegern und Crash-Experten kommt, ist also nicht abstreitbar. Und so ist es bei allen Hellsehern dieser Art, die von großer Aufmerksamkeit profitieren und ihren Lebensunterhalt damit verdienen.

Wie oft ein Crash-Prophet in der Vergangenheit falsch gelegen hat, bewirbt natürlich niemand. Das eine Mal, wo man richtig liegt, wird jedoch bis ans Lebensende gefeiert.

Vergleich zwischen MSCI World und Dirk Müller Premium Fonds

Die Realität

Wenn jemand tatsächlich sich eines bevorstehenden Crashs so sicher wäre, würde er nicht damit an die Öffentlichkeit gehen. Zum einen, weil das an der bevorstehenden Situation nichts ändern würde, zum anderen gibt es Mittlerweile genug Finanzwerkzeuge um auf fallende Kurse zu setzen. Ein sog. „shorten“ wäre sehr viel lukrativer und einfacher, als Vorträge zu halten oder panikverbreitende Bücher zu schreiben. 

Bestes Beispiel: der amerikanische Physiker, Investor und Hedge-Fonds-Manager Michael Burry. Dieser hat noch vor der US-Immobilienkrise 2007 gegen steigende CDO-Kurse gesetzt und konnte dadurch enorme Profite einstreichen, während andere Finanzberater Job und Haus verloren.

historischer S&P Kurs

Fazit

Natürlich wird es irgendwann wieder zu einem Crash an den Anlagemärkten kommen. Wann es soweit ist, kann aber zum aktuellen Zeitpunkt keiner seriös vorhersagen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber verschwindend gering, dass es dabei zum Ausfall des gesamten Wirtschaftssystems kommt und wir uns Endzeitszenarien vorstellen müssen. Historisch betrachtet hat der Kapitalismus schon einiges bewiesen: weder die Dotcom-Blase noch die letzte Krise um das Jahr 2007 geschweige denn von den beiden Weltkriegen oder dem kalten Krieg konnten unsere Wirtschaft endgültig in die Knie zwingen.

Die Chancen stehen also gut, dass auch nach der nächsten Krise die Aktienmärkte neue Allzeithochs erreichen!

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