In 9 Schritten zum idealen ETF

Was ETFs sind haben wir bereits in diesem Artikel geklärt, über die Basic-ETFs wird hingegen hier berichtet.
Wie man den passenden ETF für sich persönlich findet, werden wir in diesem Beitrag erklären. Um die im folgenden Artikel genannten Kennzahlen zu ermitteln, können Webseiten wie z.B. justetf.com verwendet werden, wo viele Einstellmöglichkeiten zur Filterung möglich sind.

1. Welchen Markt soll der ETF abdecken?

Die Wahl des gewünschten Index spielt die erste und wichtigste Rolle. Soll die globale Wirtschaft abgedeckt werden, dann ist ein Welt-ETF wie der MSCI World oder ein MSCI ACWI die richtige Wahl.
Aber auch einzelne Staaten (wie z.B. ein DAX- oder S&P 500 -ETF) werden von bestimmten ETFs abgebildet, genauso wie Branchen bzw. Wirtschaftssparten. Bewusst sollte einem hierbei sein, dass bei der Kombination von verschiedenen ETFs, einzelne Unternehmen doppelt enthalten sein können, was zu einer gewollten oder ungewollten Übergewichtung im Portfolio führen kann.

2. Ausschüttend oder Thesaurierend?

Diese Entscheidung bleibt Geschmacksache. Mit einem ausschüttenden ETF werden Dividendenerträge an den Anleger (also dich) weitergeleitet. Bei einem thesaurierenden ETF dagegen werden diese Gewinne selbstständig reinvestiert. Natürlich können aber auch ausgeschüttete Erträge manuell reinvestiert werden.

3. TER: der Kostenfaktor

Der Total Expense Ratio gibt die Gesamtkostenquote eines ETFs an. Dabei wird der jährliche Zeitraum betrachtet. Ein kleiner Prozentanteil der Investition wird also von den Betreibern des Fonds verlangt, welche für die laufenden Kosten benötigt werden.
Beliebte ETFs können mittlerweile zu TERs zwischen 0,1% und 0,4% angeboten werden. Die Kosten halten sich also sehr im Rahmen.

4. Aufbau des ETFs: Physisch VS Synthetisch

Prinzipiell wird zwischen zwei verschiedene Aufbautypen eines ETFs unterschieden.

Beim Swap-ETF (synthetische Variante) garantiert der Fonds-Anbieter dieselbe Performance wie der ausgewählte Index – kann im Hintergrund jedoch mit dem Geld der Anleger andere Tauschgeschäfte abschließen und muss nicht die prozentualen Firmenanteile des Index zukaufen.

Ist der ETF hingegen physisch replizierend, werden die enthaltenen Unternehmensanteile vollständig oder größtenteils („sampling“) vom Anbieter erworben. 

Im Grunde ist auch diese Wahl für den Privatanleger wenig entscheidend. Trotzdem fühlen wir uns persönlich wohler, genau die gekauften Anteile zu erhalten, als auf das Versprechen einer Bank, dieselbe Rendite zu liefern, zu vertrauen.

5. Fondsvolumen: Size matters!

Hierbei geht es um Größenordnungen zwischen mehreren Millionen bis zu wenigen Milliarden. Für den Privatanleger gilt: je größer, desto besser.

Warum das so ist?

Kleine Fonds können aufgelöst oder von größeren ETFs geschluckt werden, da diese nicht oder einfach zu wenig rentabel für die Betreiber sind. Bei großen Fonds hingegen, die schon einige Zeit auf dem Markt sind, ist dieser Aspekt vernachlässigbar.

Aber auch eine Schließung des Fonds ist kein Weltuntergang und das Geld ist nicht verloren. Es wird bei Schließung ausgezahlt und man kann sich einen neuen ETF suchen. Es ist trotzdem unangenehm und werden zum Zeitpunkt der Ausschüttung Gewinne realisiert, müssen Steuern an die Staatskasse abgedrückt werden.

6. Herkunftsland

Das Herkunftsland beeinflusst lediglich die internen steuerlichen Aspekte. Durch das Doppelbesteuerungsabkommen bleibt dieser Punkt für Privatanleger unwichtig.

7. Währung

ETFs in einer Fremdwährung beinhalten zusätzlich ein Währungsrisiko. Die Rendite wird damit vom Wechselkurs beeinflusst. Um dieses Problem zu vermeiden, sollte man im Idealfall einen Fonds in der eigenen Heimatwährung (also Euro) wählen.

8. Anbieter

Die Anbieterfrage ist wohl die unwichtigste. Ob es nun Comstage, HSBC, UBS, iShares von Blackrock oder einer von zahlreichen anderen Anbietern ist, ist vollkommen egal. Einzig zu beachten ist, dass nicht jeder Anbieter dieselben Unternehmen im Fonds listet, auch wenn es sich um den gleichen Index handelt. So kann z.B. Anbieter 1 das Unternehmen X in seinem MSCI World führen, Anbieter 2 hingegen Unternehmen X in seinem MSCI Emerging Markets listen. Kombiniert man nun genannte ETFs von Anbieter 1 und Anbieter 2, ist Unternehmen X doppelt enthalten.

Halb so tragisch, sollte jedoch ins Bewusstsein gerufen werden.

9. Beginnen zu investieren

Investieren ist ein Lernprozess: Man kann noch so lange nach dem perfekten ETF recherchieren, aber vielleicht merkt man schon bald, dass man doch eine andere Wahl treffen hätte sollen.

Und das ist auch gut so!

Man befasst sich mit der Thematik, erweitert sein Verständnis und auch die eigene Investmentstrategie wird ausgereifter.
Schlimmer als seinen Investmentplan mit Laufe der Zeit zu ändern: gar nicht damit begonnen zu haben! 😉

In diesem Artikel haben wir einen Broker für ETFs auf dem italienischen Markt getestet.

Merkliste:

1. Index wählen
2. Dividende oder Selbstinvestierend?
3. Möglichst geringes TER
4. Physisch oder Synthetisch?
5. möglichst großer Fonds
6. Herkunftsland: unwichtig
7. Fondswährung idealerweise Euro
8. namhaften Anbieter wählen
9. Mut fassen und los legen!

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