Aktienanalyse mithilfe des Piotroski F-Score

Um gute Gelegenheiten für den Aktienkauf zu finden, gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Verschiedene Indikatoren können bestimmt werden, die so zu einer Kauf-, Halte- oder Verkaufsentscheidung führen. Eine Möglichkeit möchten wir in diesem Beitrag vorstellen.

Der Piotroski F-Score

Der Piotroski F-Score ist eine Kennziffer zwischen 0 und 9 und gibt die Werthaltigkeit von Value-Aktien an. Das Punkte-System wurde von Joseph Piotroski, Standford Professor, im Jahr 2000 entwickelt und bestimmt die finanzielle Unternehmensqualität.

Die Vorgehensweise ist in drei Unterkategorien eingeteilt und stellt eine Art Fundamental-Analyse dar. Für jedes erfüllte Attribut erhält das analysierte Unternehmen einen Punkt. Mit Hilfe der Quartalszahlen bzw. des Jahresabschlusses eines Unternehmens kann so die Punktemenge bestimmt werden. 

Folgendes gilt es zu untersuchen:

Profitabilität: Fähigkeit des Unternehmens, finanzielle Mittel zu generieren

1. Wachsender Nettogewinn:
Steigt der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr?

2. Operativer Cash Flow:
Ist dieser im laufenden Jahr positiv?

3. Gesamtkapitalrendite:
Ist der Return on Assets im laufenden Jahr höher ist als im Vorjahr?

4. Rückstellungen:
Ist der Cashflow > Jahresüberschuss?

Leverage, Liquidität und Mittelherkunft: Umgang des Unternehmens mit Fremdkapital und Schulden

5. Sinkender Verschuldungsgrad:
Nimmt die Verschuldung im Folgejahr ab, verglichen mit dem Jahr zuvor?

6. Steigende Liquidität:
Ist die Liquidität 3. Grades (kurzfristige Vermögensgegenstände gebrochen durch kurzfristige Verbindlichkeiten) im laufenden Jahr verglichen zum vorherigen höher?

Liquidität 3. Grades = Kurzfristige Vermögensgegenstände / Kurzfristige Verbindlichkeiten

7. Anzahl der Aktien:
Wurden im Vorjahr keine neuen Aktien ausgegeben?

Operative Effizienz

8. Veränderung der Bruttomarge:
Steigt die Bruttomarge im Vergleich zum Jahr zuvor?

9. Kapitalumschlag (Umsatz/Gesamtvermögen):
Ist dieser höher als im Vorjahr?

Auswertung

Unternehmen mit einem Score von mehr als 8 Punkten gelten nach Piotroski als sehr stark. Eine Punktemenge von 0-2 hingegen bedeutet ein schwaches Unternehmen analysiert zu haben. Gerade beim mittleren Punktebereich sollte sehr stark auf die Branche geachtet und mit ähnlichen Unternehmen verglichen werden. Branchenübergreifend können kleine Unterschiede im Score nämlich als wenig aussagekräftig angenommen werden.

Fazit

Eine gründliche Fundamentalanalyse ist meist sehr aufwendig und vereinfachte Score-Systeme können Abhilfe schaffen. Nichtsdestotrotz sollte bewusst sein, dass nur gezielte Eigenschaften eines Unternehmens betrachtet und andere hingegen gänzlich vernachlässigt werden. So wird der Einfluss des aktuellen Kurses beispielsweise ignoriert und es kann keine Schlussfolgerung gezogen werden, ob auch momentan ein guter Einstiegspunkt für den Kauf einer Unternehmensaktie ist.
Zur Kaufentscheidung kann deshalb zwar ein Punktesystem zu Rate gezogen werden, ausschließlich darauf verlassen sollte man sich hingegen nicht!

Das Originaldokument zum Piotroski F-Score ist hier zu finden!

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