Enel: ist der italienische Energiekonzern einen Blick wert?

Die Enel-Gruppe ist ein italienischer Energiekonzern mit Sitz in Rom. Enel ist führend in der Produktion und Verteilung von Elektrizität in Italien, und in insgesamt 34 Ländern tätig. Enel exportiert den produzierten Strom in Europa und auf den amerikanischen Kontinent.

In den Forbes Global 2000 der weltgrößten Unternehmen belegt Enel Platz 75. Ist das Unternehmen somit einen Blick fürs Aktien-Portfolio wert?

Überblick

WKN: 928624
ISIN: IT0003128367
Symbol: ENL
Hauptsitz: Rom, Italien
Akt. Aktienkurs: 6,2€
Dividende: 5,4%
Unternehmenswert: 63,4, Mrd. Euro
Sektor/Branche: Energieversorgung und -verteilung
Datum: 1.05.2020

Das Unternehmen

Der Konzern wurde im Jahr 1962 aus verschiedenen Kleinunternehmen gegründet und ist seit 1992 als die Aktiengesellschaft Enel bekannt.
Das Unternehmen hat maßgeblich zum Ausbau des Stromnetzwerkes in Italien beigetragen und anschließend die Forschung im Bereich alternativer Energien aufgenommen.

Aktuell wird Umsatz durch verschiedene Aktivitäten generiert. Hauptsächlich wird Elektrizität und Erdgas verkauft, aber auch der Transport und die Verteilung von elektrischer Energie gehören zum Geschäftsfeld.

Die Enel Gruppe beschäftigt aktuell fast 70.000 Mitarbeiter und zählt einen Umsatz von 80,327 Mrd. Euro (2019). ¹

Burggraben

Die Enel-Gruppe ist derzeit einer der größten Stromproduzenten der Welt und ist daher einem harten Wettbewerb mit anderen Industriekonzernen in diesem Sektor ausgesetzt. Stand 2019 führt Enel laut Statista sogar die Rangliste der größten Energieversorger an.

  1. Enel
  2. Uniper
  3. EDF
  4. Engie

EDF sieht sich als Partner von Enel. Die Partnerschaft umfasst Forschungen an einem französischen Nuklearprogramm. Im Bereich Mobilität hat Enel in den letzten Jahren eine enge Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern Renault und Mitsubishi aufgebaut.

Weltmarktplayer Enel

Enel ist auf vier Kontinenten und in über 30 Länder (Europa, Amerika, Asien und Afrika) tätig. Das Unternehmen verfügt über eine Stromerzeugungskapazität von über 100 GW mit einem Energie- und Gasverteilungsnetz, das sich über fast zwei Millionen Kilometer erstreckt. Der Kundenstamm von Enel ist mit über 60 Millionen Kunden der größte in Europa.

Enel diversifiziert sich selbst, in dem Anteile von verschiedenen Energieunternehmen in anderen Ländern zugekauft werden. So ist man z.B. Mehrheitsaktionär beim slowakischen Energieversorger Slovenske Elektrarne und hält auch beim größten spanischen Energieerzeugungs- und -versorgungsunternehmen Endesa 92,06 Prozent.

Bewertung

Die Aktiengesellschaft ist neben der italienischen Börse auch an einigen ausländischen, wie z.B. der Frankfurter Börse, gelistet.

Auch wenn Enel nicht genauso stark unter der Corona-Krise leidet wie andere Unternehmen, musste auch hier der Aktienkurs nachgeben.

5-Jahres-Chart (Google Finance)

Trotz des starken knicks im Chartbild, konnte der Kurs in den letzten 5 Jahren ca. 40% wachsen. Dazu kommen noch die Dividenden, welche zweimal jährlich ausgeschüttet werden (Januar/Juli).

Bewertung

Enel weist in den vergangenen Jahren ein deutliches Wachstum auf und erhöht die Dividende seit 2013 kontinuierlich. Wo 2013 noch 0,15€ ausgeschüttet wurden, sind wir heute bei einer Dividende von 0,36€ (2020) pro Aktie. Das entspricht einer aktuellen Dividendenrendite von ca. 5,4%. Die Dividende ist vom Jahre 2018 auf 2019 um 17% erhöht worden.

Enel SpA schloss das Jahr 2019 mit einem Umsatz von 80,327 Milliarden Euro ab, was einem Zuwachs von 6,3% im Vergleich zum Vorjahr entspricht.¹

Die Nettofinanzverschuldung von Enel belief sich Ende 2019 auf 45,2 Milliarden Euro, ein Anstieg um 10,0% gegenüber 41,1 Milliarden Euro Ende Dezember 2018. Dieser Anstieg, erklärt die von Francesco Starace geleitete Gruppe, ist hauptsächlich auf Investitionen, der Übernahme von einigen Unternehmen und der ungünstigen Entwicklung der Wechselkurse entstanden.

Der aktuelle strategische Plan sieht gezielte Investitionen, vor allem im Bereich digitalen Transformation vor. Etwa 32% des Gesamtbudgets fließen in den italienischen Markt.

Chancen

Zuerst sei daran erinnert, dass die Enel-Gruppe einer der größten Namen in diesem Energie-Geschäftsbereich ist. Nicht zuletzt aufgrund der Vielfalt ihres Angebots und ihres umfangreichen Portfolios an energiebezogenen Produkten und Dienstleistungen. Die Gruppe erzeugt derzeit Strom aus verschiedenen Quellen wie Gas, Wasserkraft, Kohle, Kernkraft, Erdwärme und Windkraft. Darüber hinaus hat sich das Unternehmen so organisiert, dass in Lieferketten eingegriffen werden kann. Somit genießt Enel große strategische Freiheit.
Die Diversifizierung des Konzerns auf verschiedene Unternehmen und Länder bringt zudem Stabilität und Sicherheit.

Um ihre Einnahmen zu sichern, kann die Enel-Gruppe vor allem auf ihre besonders hohe Produktionskapazität zählen. Das Unternehmen ist in der Lage, Strommengen von über 100 GW zu liefern und verfügt gleichzeitig über einen erheblichen Cashflow. Dieser ermöglicht, die Produktion an die tatsächlichen Bedürfnisse des Marktes und der Nachfrage anzupassen.

Nicht zuletzt zieht Enel auch mit dem Trend der sauberen Energieerzeugung mit. Bis dato ist mehr als die Hälfte der von der Enel-Gruppe erzeugten Energie CO2-frei, also auch zukünftig gesichert!

Risiken

Trotzdem sind nicht alle Aspekte des Unternehmens durchwegs positiv.
Trotz der weltweit diversifizierten Verkäufe, konzentriert sich Enel stark auf Europa und lässt viele Märkte außen vor.

Auf der anderen Seite ist bekannt, dass die Enel-Gruppe in letzter Zeit in einigen schwerwiegenden Gerichtsverfahren verwickelt war. Aufgrund der starken Medienberichterstattung über diese Verfahren ist das Markenimage der Gruppe verblasst und Enel muss sich nun bemühen, das Image wieder aufzubessern. Darüber hinaus hatten diese Prozesse durch hohe Geldstrafen Auswirkungen auf den Cashflow des Unternehmens.

Einfach und günstig in Enel investieren

Einschätzung nach Peter Lynch

 MerkmalEmpfehlung
Slow Growershohe Dividende, Wachstum >3%kaufen wenn Dividende über eigenem Durchschnitt
Stalwartsmittlere Dividende, Wachstum 5-10%kaufen wenn KGV unter eigenem Durchschnitt
Fast Growerskleine Dividende, Wachstum >10%Buy & Hold
Zyklikerabhängig von Konjunkturkaufen bei geringen Margen, verkaufen bei hohen Margen
Turnaroundskurz vor Insolvenztiefes Verständnis nötig, größtes Risiko dafür größte Chancen
Assetplayversteckte Assets

Nach Peter Lynch kann das Unternehmen nicht eindeutig eingeschätzt. Mit über 5% Dividendenrendite ist die Ausschüttungsquote von Enel recht üppig. Trotzdem wird immer weiter versucht, neue Märkte zu erschließen. Dadurch erreicht man ein Wachstum, welches sich vor allem in den letzten Jahren sehen lässt. Somit werden sowohl Eigenschaften von Slow- als auch von Average Growern (Stalwarts) erfüllt.

Wann soll man also das Unternehmen kaufen? Lynch empfiehlt zum einen, dass die Dividendenrendite über den eigenen Durchschnitt liegen soll (aktuell eindeutig der Fall) und das KGV sich unter dem historischen Mittelwert befindet.

Ausblick

Die Zukunft von Enel liegt im Ausbau erneuerbarer Energien, einer genaueren Verwaltung von Kosten/Ressourcen und der Fähigkeit, gute Margen in aufstrebenden Märkten wie Lateinamerika zu erzielen.

Laut offiziellen Angaben ist sich Enel über die angesprochenen negativen Punkte bewusst und will daran arbeiten. Die Gruppe konzentriert sich auf den Ausbau in aktuell unterrepräsentieren Märkten und will Marktanteile in Indien, Afrika und dem nahen Osten gewinnen.

Fazit

Die Nachfrage an Strom in Italien und Europa steigt – Märkte, auf denen die Enel-Gruppe besonders präsent ist. Enel sollte daher in Zukunft weiter vom Trend profitieren.
Ein besonders positiver Aspekt ist die Strategie der Entwicklung einer umweltfreundlichen Energieerzeugung ohne CO2-Emissionen, womit das Unternehmen viele Anleger überzeugt und von Fördergeldern profitiert.

Als Italiener kennt man Enel gezwungenermaßen, da die Präsenz im eigenem Land enorm ist. Nach einer Analyse der Gruppe kommen wir zum Fazit, dass das Unternehmen ein sehr interessantes Rendite/Risiko-Profil bietet und stark zur eigenen Portfolio-Diversifizierung beitragen kann.

Hinweis: Zu beachten ist die italienische Quellensteuer für ausländische Investoren und deren Handhabung!

Dieser Artikel besteht weder auf Vollständigkeit noch auf Richtigkeit. Es handelt sich hierbei um keine Anlageempfehlung, sondern gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder.

¹)https://annualreport2019.enel.com/sites/enelar19/files/enel_relazione_finanziaria_annuale_2019_eng.pdf

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