P2P-Kredite während dem Corona-Crash

Mehrmals haben wir im Verticalinvest-Blog bereits von P2P-Krediten berichtet. Trotz der spannenden Rendite (meist über 10% p.a.), ist das Risiko auch dementsprechend höher. Aber wie haben P2P-Kredite sich bis jetzt im Corona-Crash geschlagen, während viele Aktienkurse sich mehr als halbiert haben?

Überblick

Grundsätzlich gilt, dass sich das gesamte Ausmaß noch nicht feststellen lässt (Stand: 20.04.2020) und noch nicht alle Folgen abzusehen sind. Da die meisten P2P-Kredite eine längere Laufzeit als lediglich ein paar Wochen haben, können wir erst ein umfängliches Fazit ziehen, wenn die Krise vorüber ist.

Man kann die P2P-Plattformen nun an folgenden Stress-Situtionen messen:

  • Investoren ziehen Geld von der Plattform ab
  • Darlehensnehmer sind nicht mehr in der Lage, Rückzahlungen zu tätigen

Speziell der erste Punkt hat bereits Spuren an manchen Plattformen hinterlassen, auf denen wir jetzt genauer eingehen wollen.

Mintos

Mintos* ist unsere Lieblingsplattform im P2P-Bereich und führt neben Bondora den P2P-Markt an. Auch in der Krise versucht das Management möglichst transparent mit seinen Investoren zu kommunizieren und bietet regelmäßige Fragestunden mit dem CEO Martin Sulte an.

Zu unterscheiden ist nun zwischen den beiden Plattformprodukten. Bei der „normalen“ Variante wählt man abhängig von den persönlichen Präferenzen selbst (oder der eingestellte Auto-Investor) die Kredite. Bei Invest & Access hingegen bietet man ein Tagesgeld-ähnliches Konzept an, bei dem man sich mit einer festen Rendite begnügt, Mintos* die Auswahl der Kredite überlässt und dafür mehr Liquidität erhält (sprich: bei Bedarf kann das Geld schneller abgezogen werden und man muss nicht die vertragliche Restlaufzeit der gewährten Kredite abwarten).

Wie zu erwarten, haben sehr viele Investoren ihr Geld aus dem „Invest&Access“-Fonds zu Beginn der Krise abgezogen, weshalb die Liquidität deutlich litt und immer noch leidet. Nicht jeder Investor bekommt sein Geld sofort ausbezahlt und muss sich gedulden. Ein weiterer Grund dafür ist, dass die Kredite auf dem plattformeigenen Sekundärmarkt verkauft werden müssen, um Kapital für die abziehenden Investoren zu schaffen. Hier gibt es nun ein Überangebot und kaum Nachfrage.

Mintos zeigt, dass sie auch in Krisenzeiten für ihre Investoren da sind.

Stoppen Investoren ihre Autoinvest-Funktion oder hören auf, manuell in Kredite zu investieren, häuft sich langsam aber stetig das eintrudelnde Kapital auf dem Konto an. Auch wenn es momentan zu vermehrten Verspätungen hinsichtlich der Rückzahlungen kommt, sind wir noch von keinen Ausfällen betroffen. Das liegt aber auch an dem Mintos-eigenen Rücklagen Fonds, welcher für ausgefallene Kredite haftet. Dieser Fonds ist laut Management zwar entsprechend groß, kann in Zukunft aber auch an seine Grenzen stoßen.

Positiv ist, dass die Rendite sich nun um wenige Prozentpunkte erhöht hat und man auf dem Sekundärmarkt einige spannende Schnäppchen erwerben kann.

Bondora

Bondora bietet im Gegensatz zu Mintos* keine Rückkaufgarantie an. Da aber meist in Krediten mit Laufzeiten > 1 Jahr investiert werden, spüren wir auch hier noch keine Auswirkung. Kredite werden pünktlich beglichen und man kann sich momentan an einer gemittelten Rendite von 18% erfreuen, da auch hier das Angebot/Nachfrage-Verhältnis außer Gleichgewicht liegt.

Zu „Bondora Go&Grow“ können wir leider keine Erfahrungen einbringen, weil das Produkt von uns nicht verwendet wird. Aufgrnd der Ähnlichkeit zu „Invest&Access„, können auch hier ähnliche Komplikationen auftreten.

Estateguru

Bei Estateguru* wird in Immobilien-Krediten investiert, welche mit Grundstück und Gebäude eine Sicherstellung für Investoren darstellen. Zum Artikel Die Rendite der angebotenen Kredite hat sich nicht verändert (11-13% p.a.), aber Verzögerungen bei der Rückzahlung treten bereits auf. Die Verzögerungen liegen an einer Vielzahl von Faktoren: zum einen werden Renovierungsarbeiten oder Umbauten gebremst durch Personal- und Materialmangel, aber auch Veräußerungen und Besichtigungen sind in der momentanen Lage schwierig.

Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass es zu Ausfällen für Investoren kommt, aber Verzögerungen sind sicherlich miteinzuplanen. Auch das Management von Estateguru handelt vorbildlich und informiert transparent.

Grupeer

Erst vor einiger Zeit haben wir hier von Grupeer berichtet. Zum Artikel! Anders als seine Konkurrenten handelt die Geschäftsführung alles andere als transparent. Investoren können mittlerweile keine Auszahlungen mehr vornehmen und Konten scheinen eingefroren zu sein. Kontaktpersonen sind momentan nicht erreichbar und auch Erstkreditgeber (von denen man als Endkunde den auf der Plattform angebotenen Kreditvertrag erwirbt) warnen mittlerweile auf der Plattform weiter zu investieren.

Derzeitige Warnung auf grupeer.com

Ob es sich hierbei um einen Totalverlust der Investitionen handelt, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen, wenn genauere Details bekannt sind. Wir raten deshalb ab, weitere Investitionen auf Grupeer zu tätigen!

Fazit

Wie wir an den verschiedenen Fällen sehen, steigt das Risiko im P2P-Markt, aber auch die Rendite zieht dementsprechend mit. Dass es bei P2P-Investments auch zu Totalverlusten kommen kann, haben wir nun selbst mit Grupeer erleben dürfen. Bei P2P-Investments sollte es sich aber generell um einen kleinen und diversifizierten Teil des Gesamtportfolios handeln, fällt dieser Verlust in den allermeisten Fällen zum Glück kaum ins Gewicht. Trotzdem sehen wir, wie wichtig eine gute Diversifikation über verschiedene Plattformen ist.

Dass die aktuelle Situation aber auch Chancen bietet, zeigt sich an der steigenden Rendite. Schlussendlich bleibt abzuwägen, wann das persönliche Risiko zu hoch wird. Momentan bleiben wir aber weiterhin im P2P-Markt investiert und können durch die Transparenz der Marktführer Vertrauen gewinnen.

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