Warum Netflix jetzt „verkaufenswert“ ist

Netflix gehörte zu den ersten Aktien, die ich mir ins Depot geholt habe. Seitdem wurden im Sparplan jedes Monat weitere Anteile dazu gekauft. Die Bewertung ist damals, wie heute, recht sportlich und hohe Erwartungen spiegeln sich im Preis wieder. Doch kann die Erfolgsgeschichte, die vor einigen Jahren begann, auch noch in Zukunft fortgeführt werden?

Überblick

WKN: 552484
ISIN: US64110L1061
Symbol: NFLX
Hauptsitz:
Akt. Aktienkurs: 357 USD
Dividende: 0
Unternehmenswert: 157 Mrd. USD
Sektor/Branche: Streaminganbieter
Datum: 06.04.2020

Tätigkeitsbereich

Netflix wurde 1997 gegründet und begann als Online-DVD-Verleih. Bis zum Jahr 2003 wurden nur Verluste eingefahren und ab 2007 versuchte man das Geschäftsmodell zu überarbeiten. Nachdem Lizenzen für die ersten Onlinestreams erworben wurden und das Angebot Anklang fand, stieg auch die Unternehmensbewertung massiv. Trotzdessen, dass sich Netflix generell mit Zahlen bedeckt hält, zählt man mehr Kunden als jeder einzelne TV-Sender in den USA. Momentan versucht man besonders mit Eigenproduktionen wie Stranger Things, Orange is the new Black, The Witcher, u.v.m seinen Kundenstamm zu vergrößern.

Konkurrenz – für Verbraucher gut, für Betreiber schlecht

Das größte Problem in der Streaming-Branche ist die immer größer werdende Konkurrenz. Mehr Anbieter strömen in den wachsenden Sektor. Aber gibt es genug Platz für alle?

Netflix is a focused passion brand, not a do-everything brand

netflixinvestor.com

Neben den bereits etablierteren Anbietern wie Netflix, Maxdome, Sky, Amazon Prime usw. kommt mit Disney+ ein ernstzunehmender Gigant auf das Spielfeld, der Marktanteile abhaben möchte. Des Weiteren bieten auch zunehmend Anbieter wie Apple TV+, TV Now von RTL und Join von ProSieben/Sat1 ihre Medien als Onlinestream im Abomodell an. Auch das US-Amerikanische Telekommunikationsunternehmen AT&T will mit den Rechten am Warner Media Konzern auf den Zug aufspringen.

Nachdem Netflix nun die Proof-of-Concept Arbeit geleistet hat und mit Originals eine Möglichkeit gefunden hat, Exklusivtitel in die eigene Bibliothek zu holen, wagen sich nun letztendlich auch andere auf den Streamingmarkt.

Schade für aktuelle Nutzer von Netflix ist, dass immer mehr Lizenzverträge mit Disney und anderen Studios, die zu Disney gehören (wie z.B. 20th Century Fox, Marvel, Lucas Film, Pixar), auslaufen. Das bedeutet, dass das Recht der Ausstrahlung entzogen und der Content muss von der Plattform verschwinden wird (und in Zukunft auf Disneys Plattform exklusiv angeboten wird).

Wer gräbt wem das Wasser ab?

Viel Konkurrenz bedeutet viel Preisdruck. Disneys Einsteigerangebot beginnt bereits ab 6,99€ monatlich (Netflix hingegen 7,99€) und bietet Features wie 4K-Qualität und Streaming auf mehreren Geräten gleichzeitig. Außerdem wird die Videothek von fremden Studios auf Netflix immer kleiner, da diese mit einer eigenen Plattform durchstarten wollen. Aktuell herrscht sehr viel Bewegung in diesem Marktbereich und nicht jeder Anbieter wird diesen Machtkampf spurlos überstehen.

Zahlen und Fakten

Zwischen 2016 und der Jahreshälfte von 2018 konnte man an einer schönen Erfolgsgeschichte auch finanziell teilhaben. Von da an peitschen mal gute News den Kurs steil nach oben, dann lassen negativ gestimmte Investoren die Kurse wieder fallen.

Quelle: Google Finance

Auch wenn der Umsatz stark wächst, hat Netflix immer noch einen negativen operativen Cashflow, der immer größer wird, anstatt zu schrumpfen. Will man hingegen verschiedenen Prognosen glauben schenken, soll dieser aber bereits im Laufe des Jahres 2021 postiv werden.

Eine Schuldenquote von knapp 80% würde viele Unternehmen in der aktuellen Krise in die Verzweiflung stürzen, aber Netflix profitiert von der Quarantäne vieler und kann einige neue Abonnements abschließen. Genaueres zu den aktuellen Finanzen wird im ersten Quartalsbericht 2020 nachlesbar sein, der am 21. April 2020 veröffentlicht wird.
Nichtsdestotrotz beläuft sich der Schuldenberg des Unternehmens aktuell auf 26,3 Mrd. USD, welchem ca. 5 Mrd. Cash + Wertpapiere gegenüber stehen.

Insgesamt will man im Jahr 2020 eine operative Marge von 16% anstreben, welche momentan bei knapp 13% liegt.

Ausblick

Trotz der abweichenden Zielgruppe zwischen Netflix und Disney+, werden auch Studios von Disney erwachseneren Content in Zukunft kreieren. Auf die Warren Buffet typische Frage „würdest du das gesamte Unternehmen kaufen, wenn du das Geld zur Verfügung hättest?“ muss ich aktuell mit Nein antworten, da in meinen Augen der Konkurrenzkampf generell für Verbraucher zwar gut ist, für Anbieter kurzfristig hingengen zu sinkenden Margen führt. Deshalb werde ich den gesamten Streamingmarkt in nächster Zeit von außen beobachten, bis die Konkurrenz kleiner wird und fest steht, wer sich auch langfristig etablieren kann. Es ist also fragwürdig, ob Netflix im gleichen Tempo wachsen kann, wie in den letzten Jahren.

Als weiteren Anreiz zum Verkauf gibt es den aktuellen Corona-Bonus: Netflix hat sich preislich aktuell weit besser gehalten als andere Aktien. Durch einen Verkauf können Geldmittel frei werden, das in momentan schlechter bewertete Firmen gesteckt werden kann. Diese haben nicht nur den Vorteil, dass sie nach der Krise schnell wieder zu alter Stärke finden können und man so einen schönen Kurssprint mitnehmen kann, sondern viele bieten auch das bessere Chance/Risiko Profil und ähnlich gute Wachstumschancen.

Schlussendlich sollte man sich also die Frage stellen, ob Netflix in nächster Zeit mehr Rendite bringen kann, als ein Investment in ein anderes, stark wachsendes Unternehmen? Oder wird doch der Konkurrenzkampf in den nächsten Jahren seine Opfer fordern und Gewinne drücken?

Dieser Artikel versteht sich nicht als Anlageempfehlung sondern gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder.

Quellen: wikipedia.org, aktienfinder.net, finance.yahoo.com, netflixinvestor.com,

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