Under Armour: kommt jetzt der Turnaround?

Der US amerikanische Sportartikel-Hersteller kann seit 2015 seinen Erwartungen nicht mehr gerecht werden. Der Kurs fällt daraufhin deutlich. Neben der großen Konkurrenz in Form von Nike, Adidas, Puma & Co wurden auch einige Entscheidungen im Management falsch getroffen und Investoren hintergangen. Im Januar 2020 trat der Gründer als CEO zurück und holte mit Patrik Frisk einen Branchenbekannten mit an Board. Kann die neue Führung nun dem sinkende Schiff wieder Hoffnung schenken?

Überblick

WKN: A0HL4V
ISIN: US9043111072
Symbol: UA
Hauptsitz: Baltimore, Maryland, USA
Akt. Aktienkurs: 10,52 USD
Dividende: –
Unternehmenswert: 4,5 Mrd. USD
Sektor/Branche: Sportartikelhersteller
Datum: 28.04.2020

Geschichte

Gegründet wurde Under Armour 1996 vom College Footballspieler Kevin Plank. Im Jahr 2005 ging es dann an die Börse. Zwischen 2005 und 2012 wuchs das Unternehmen durchschnittlich 20% jährlich. Seit 2017 bleibt das Umsatzwachstum hingegen bei unter 5% pro Jahr. Einige Aktionäre streiten seitdem, ob der Einbruch vorhersehbar gewesen wäre und „Bilanztricks“ das ganze etwas verschleierten.

Tätigkeitsbereich

Under Armour ist in den Markt der Sportartikel-Hersteller mit Thermo-Sportunterwäsche und Schulterschutz für American Football gestartet. Mittlerweile bietet das Unternehmen neben zahlreichen anderen Sportartikel wie Laufschuhe, Hosen und T-Shirts auch Alltagsbekleidung wie z.B. Hoodies, Gürtel und Sandalen.

Somit kann man Under Armour mittlerweile als breit aufgestellten Kleidungshersteller mit Fokus auf Sportbekleidung einstufen.

Peergroup

Besonders der Bereich der Sportartikel-Hersteller ist ein sehr stark umkämpfter Markt. Die selbst bereits bestens aufgestellten Konkurrenten wie Adidas, Nike oder Puma sind unglaublich groß und finanziell sattelfest. Alle drei erwähnten Firmen arbeiten auch deutlich rentabler, was im späteren Verlauf der Analyse weiter erläutert wird.

Umsätze einiger führenden Sportartikel-Hersteller
(Nike 2019; Adidas, Asics, Under Armour 2018; Quelle: statista.de)

Chart & Dividende

Wer Dividende sucht, ist bei Under Armour leider fehl am Platz. Das Unternehmen zahlt seinen Aktionären aktuell keine Gewinne aus.

5-Jahres-Chart (Google Finance)

Seit seinem All-Time-High im Jahr 2015 hat der Aktienkurs deutlich verloren. Der Kurs betrug noch über 50 US-Dollar und verlor in den darauffolgenden Wochen und Monaten 80%. Die Corona-Krise hinterlässt ebenso deutliche Spuren im Chart.

Schlüsselfigur Frisk

Under Armour hat nicht umsonst einen desaströsen Aktienkurs. In der Vergangenheit ging einiges schief.
Nun folgt die Umstrukturierung des Unternehmens:
Im Januar 2020 tritt der Gründer Kevin Plank von seiner Rolle als CEO zurück und macht Platz für Patrik Frisk. Frisk sollte Brancheninsidern bereits bekannt sein: seit über 30 Jahren arbeitet er für bekannte Marken. Bevor er zu Under Armour kam, nahm er wichtige Senior-Rollen bei Peak Performance, W. L. Gore and Associates (die Entwickler von Gore-Tex) und einigen weiteren ein.
Danach nahm er die Rolle des „President of The Timberland Company“ und ihm wird die Verjüngung des Unternehmens und Einbringung von Innovationen zugeschrieben. 2014 wurde er befördert und war für weitere Marken (wie z.B. The North Face) zuständig.

Auch den Turn-Around in der Bekleidungsbranche hat er schon einmal vollzogen: nach Schwierigkeiten der kanadischen ALDO Group brachte Frisk den Schuh- und Accessorieshersteller wieder auf Kurs und machte das Unternehmen fit für eine Übernahme durch den Sohn des Gründers.

Mit Amtsantritt wechselte Frisk konsequent einige Posten in der Führungsebene und strukturiert das Unternehmen nun nach und nach um. Mit April vollzieht Frisk dann auch schon einen weiteren wichtigen Zug: Lisa Collier wird neue Produktchefin. Diese arbeitete zuvor bereits 13 Jahre bei Levi Strauss & Co (vorallem Produktentwicklung und Innovation) und danach bei NYDJ (Not Your Daughter’s Jeans).

Bewertungen

  • Die Schuldenquote beträgt momentan um die 55% und ist somit gleichhoch wie bei Puma, aber ungefähr 10% geringer als bei Adidas oder Nike mit jeweils ca. 65%.
  • Die sowohl die operative als auch die Nettomarge erleben seit 2015 einen leichten Rückgang.
  • Das Preis/Buchwert-Verhältnis beträgt momentan knapp 2, das Preis/Verkaufswert-Verhältnis sogar nur 0,86!
  • Der Gewinn pro Aktie betrug 2019 0,20 US-Dollar (2018 -0,10 US-Dollar) und wird laut Analysten 2020 wieder negativ ausfallen.
Nettoumsatz von Under Armour (Quelle: statista.de)

Trotz der Verringerung des Erlöses um 2.1% in Nordamerika, konnte das Unternehmen insgesamt im Jahr 2019 um 1% wachsen. Grund dafür ist die Eroberung von Marktanteilen in Europa, Naher Osten, Afrika bzw. Asien, wo man 5,1% respektive 14,2% zulegen konnte

Schwachpunkt: Rentabilität

Was bereits öffentlich verkündet wurde, spiegelt sich auch in den Finanzkennzahlen wieder. Under Armours größtes Problem ist die Rentabilität. Während Nike eine Eigenkapitalrentabilität in den vergangenen 12 Monaten von 47,96% erzielen konnte, begnügte man sich bei UA mit mageren 4,42%. Adidas erzielte im Jahr 2019 28,60%, Puma 16,97%. Ein Grund dafür sind unter anderem die großen Lagerbestände, die man seit 2019 stetig verkleinern will.

Sehr Spannend ist der Vergleich zwischen Under Armour und Puma: während beide einen ähnlichen Umsatz 2019 aufweisen können (5,27 Mrd. US-Dollar VS 5,5 Mrd. US-Dollar) ist der Marktwert von Puma beinahe doppelt so hoch. Die Marktkapitalisierung von Under Armour beträgt aktuell ca. 4,5 Mrd. US-Dollar (also sogar deutlich weniger als der Umsatz im letzten Jahr), während Puma mit 8,29 Mrd. US-Dollar bewertet wird.

Einschätzung nach Peter Lynch

 MerkmalEmpfehlung
Slow Growershohe Dividende, Wachstum >3%kaufen wenn Dividende über eigenem Durchschnitt
Stalwartsmittlere Dividende, Wachstum 5-10%kaufen wenn KGV unter eigenem Durchschnitt
Fast Growerskleine Dividende, Wachstum >10%Buy & Hold
Zyklikerabhängig von Konjunkturkaufen bei geringen Margen, verkaufen bei hohen Margen
Turnaroundskurz vor Insolvenztiefes Verständnis nötig, größtes Risiko dafür größte Chancen
Assetplayversteckte Assets

Nach Peter Lynch handelt es sich bei Under Armour um einen Turn-Around Kandidaten. Der Kurs des Unternehmens wurde in den letzten Jahren stark in Mitleidenschaft gezogen aber nun wurden die Weichen auf Verbesserung gestellt. Somit wird Under Armour als eine sehr riskante Aktie eingestuft, bietet dafür aber auch die größten Gewinnchancen.

Kritik & Risiko

Nicht nur das stagnierende Wachstum des Konzerns verunsichert Anleger, aber auch eine Reihe von Bilanztricks in der Vergangenheit. Seit 2018 klagen einige Aktionäre sogar gegen Under Armour und Führungskräfte verlassen das Unternehmen. Viele gestrichene Arbeitsplätze sind nur ein Teil der seit 2015 laufenden Krise des Konzerns.
2018 wurden 150 Millionen Nutzerdaten dem Unternehmen entwendet, darunter E-Mail Adressen und Passwörter. Auch mit dem Sponsoring von Trophäenjägern stieß man auf harrsche Kritik.

Als ein weiteres klares Risiko ist die sehr starke Konkurrenz zu sehen. Dabei wird es sehr schwierig, ohne innovative Ideen der etablierten Konkurrenz das Wasser abzugraben und Marktanteile zu gewinnen.

Ausblick

Der Großteil der Umstrukturierung sollte laut Pressemitteilung im Q1 2020 erfolgen, kann sich durch die aktuelle Pandemie-Lage aber weiter verzögern. Die Kosten der Umstrukturierung belaufen sich auf 475 Mio. bis 525 Mio. US-Dollar, was bei einer Marktkapitalisierung von unter 5 Mrd. US-Dollar nicht zu vernachlässigende Kosten sind.

Trotzdem sind wir zuversichtlich, dass mit einer steigenden Eigenkapitalrentabilität das Unternehmen zurück auf die Erfolgsspur findet.

Auch im Kampf gegen Corona hilft man nun mit und produziert Schutzmasken.
(Quelle: about.underarmour.com)

Außerdem ist bemerkenswert, wie etabliert sich die Marke in Europa bereits „anfühlt“. Geht man mit offenen Augen durch eine Fußgängerzone stechen überraschend oft Artikel von Under Armour ins Auge (wenn auch deutlich weniger als Nike oder Adidas).

Fazit

Eine Umstrukturierung braucht Zeit, welche wir der neuen Führungsebene auch geben wollen. Umsätze sind bis vor der Coronakrise gestiegen, wenn auch seit 2016 deutlich langsamer als zuvor. Durch die aktuelle Situation werden wir aber hier (wie bei den meisten anderen Unternehmen) Umsatzrückgänge erleben. Die benötigte Umstrukturierung wird aber hoffentlich an der Eigenkapitalrentabilität seine Wirkung zeigen. Sobald diese gesteigert werden kann, könnte der Aktienkurs mitziehen.
Nichtsdestotrotz kann die Talfahrt natürlich noch einige Zeit weitergehen, mit einer (unserer Meinung nach sehr unwahrscheinlichen) Insolvenz als Endstation.
Falls man auf der Suche nach einem möglichen Turnaround-Kandidaten ist, scheint Under Armour es sich zu verdienen, in Betracht gezogen zu werden.

Dieser Artikel besteht weder auf Vollständigkeit noch auf Richtigkeit. Es handelt sich hierbei um keine Anlageempfehlung, sondern gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder.

weitere Quellen: underarmour.de, wikipedia.org, finance.yahoo.com, underarmour.com, google finance, aktienfinder.net, statista.de, sportscheck.com, textilwirtschaft.de

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