Unilever – Konsumgüter im Jahr 2020?

Das Jahr 2019 ist für einige Aktien besonders gut gelaufen. Andere hingegen sind hinter ihren Erwartungen geblieben. So auch der Konsumgütergigant Unilever aus den Niederlanden/Großbritannien. Woran das liegt, ob Unilever dafür 2020 zu seinen Konkurrenten aufschließen kann und ob man das Unternehmen als mögliche Investition in betracht ziehen sollte, werden wir in dieser Analyse klären.

Überblick

WKN: A0JMQ9 (Niederlande), A0JNE2 (Großbritannien)
ISIN: NL0000388619 (Niederlande), GB00B10RZP78 (Großbritannien)
Symbol: UNA
Hauptsitz: Rotterdam, Niederlande bzw. London, UK
Akt. Aktienkurs: 51,04 EUR
Dividende: 3,18%
Unternehmenswert: 148,74 Mrd. USD
Sektor/Branche: Konsumgüter
Datum: 20.01.2020

Tätigkeitsbereich

Als einer der weltweit größten Hersteller von Konsumgüter setzt Unilever seinen Schwerpunkt vor allem in der Produktion von Nahrungsmitteln, Kosmetik und Körperpflege. In über 100 Ländern wird produziert, verkauft in noch mehr.

Factsheet Unilever 2017

Unter den Markennamen „Unilever“ selbst gibt es keine Produkte zu kaufen. Der Konzern besitzt hingegen über 400 Marken, die für Unilever produzieren. Einige bekannte darunter sind:

Lebensmittel: Amora, Ben & Jerry’s, Cornetto, Knorr, Langnese, Lipton, Magnum, Pfanni, usw.

Reinigung: Coral, Domestos, OMO, Viss, cif, Sun, usw.

Hygiene: Axe, Dove, dusch das, Rexona, mentadent, TIGI, usw.

Peergroup

Im Bereich der Hygiene findet Unilever in P&G und in Johnson&Johnsen zwei große Konkurrenten. Aber auch Nestlé in der Lebensmittelsparte ist nicht zu unterschätzen. Trotzdem kann Unilever sich renditemäßig von seinen Konkurrenten absetzten. Seit 2008 bringt das Unternehmen den Investoren den höheren Kursgewinn als P&G oder Nestlé.

Burggraben

Durch die Vielzahl an hochqualitativen Unternehmen, ist Unilever nicht auf eine Sparte angewiesen, sondern ist vielmehr ein Mischkonzern (sog. Konglomerat). Diese agieren flexibel und sehr eigenständig. Dass hinter den oben genannten, bekannten Marken ein großer Konzern namens Unilever befindet, ist vielen Anwendern weder bewusst noch wichtig.

Quelle: Investor Relations Unilever

Außerdem ist das Unternehmen stark antizyklisch: so werden auch in Krisenzeiten weiterhin Putzmittel und Hygieneartikel gebraucht. Zwar können Menschen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf billigere Alternativen/Kopien zu den Markenprodukten wechseln, trotzdem ist es wahrscheinlicher bei Luxusgegenständen zu sparen als bei seiner Lieblingseissorte. Infolgedessen ist das Unternehmen auch in Krisenzeiten als solide einzustufen und wird weniger unter einer Konjunktur leiden, als andere Branchen.

Chart & Dividende

Unilever steigert seine Dividenden jährlich und folgt diesem Trend nun schon über 20 Mal. Deshalb darf sich das Unternehmen als Dividendenaristokrat betiteln. Die Ausschüttungsquote liegt zwischen 40% und 50% und Dividenden werden Vierteljährig bezahlt. Dabei beträgt die aktuelle Dividendenrendite 3,18%.

Chart sein Börsennotierung (Google Finance)

Wie für ein Unternehmen in der Konsumgüterbranchen zu erwarten war, ist der historische Kursverlauf wenig spektakulär. Krisenzeiten wurden gut überstanden und der Kurs bewegt sich seit 2009 in schön stetiger Manier nach oben. Das All-Time-High von 57,39€ wurde im September 2019 erreicht, seitdem hat der Kurs aber wieder ca. 11% eingebüßt.

1-Jahres-Chart (Google Finance)

Im letzten Jahr blieb Unilever leider etwas hinter seinen Erwartungen und konnte den MSCI World als Vergleichsindex nicht schlagen. Am Chart kann man gut erkennen, dass Unilever bei der Rallye gegen Jahresende wohl nicht dabei sein wollte und sogar Substanz verlor. Außerdem wurde im Dezember eine Umsatzwarnung für 2020 ausgesprochen, welche den Kurs weiter abstrafte.
Gerade deshalb könnte es isch jetzt um eine interessante Einstiegsmöglichkeit handeln. Diese Meinung vertreten aktuell auch einige Analysten und sprechen für Unilever eine starke Buy-Empfehlung aus.

Unilever plc vs. Unilever N.V.

Die Unilever Unternehmensanteile sind über zwei verschiedenen Aktien handelbar: einmal über den Londoner Unternehmenssitz (Unilever plc) und einmal mit Sitz in den Niederlanden (Unilever N.V.)
Für Anleger vor 01.01.2020 ist eigentlich nur der Unterschied bei der Handhabung der Dividende interessant. Bei der N.V.-Variante wurde eine Quellensteuer von 15% abgezogen, bei der Londoner Version hingegen nicht.
Am 01.01.2020 wurde auch in den Niederlanden die Quellensteuer abgeschaffen und dieser Unterschied ist für Investoren irrelevant geworden.

Ausblick

Besonders stark wächst Unilever aktuell in den aufstrebenden Nationen. Die größte Rolle spielen hierbei Produkte rund um Gesundheit und Hygiene.

In Zukunft will man nicht nur verstärkt in Schwellenländer und noch nicht erschlossene Märkte vordringen, sondern auch auf Nachhaltigkeit will man seinen Fokus setzen.

Quelle: Investor Relations Unilever

Recyclebare Verpackungen und Projekte in Entwicklungsländern sollen das Image aufbessern und den Trend der Nachhaltigkeit verstärken. Daneben werden nach eigenen Angaben Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter stetig verbessert und Treibhausgase reduziert. Zukünftig will man sich also unbedingt mit Nachhaltigkeit und Fairness von den Konkurrenten abheben.

Kritik & Risiko

Als Gigant im Konsumbereich stoßt das mögliche Wachstum natürlich irgendwann an seine Grenzen. Gerade in den letzten Jahren ist das Wachstum in den entwickelten Ländern rückgängig. Daraus folgt ein stagniertes Umsatzwachstum. Im Durchschnitt betrug der Umsatz in den letzten vier Jahren ca. 52 Mrd. USD. Es bleibt hauptsächlich die Expansion, der Produktpreis und die Kostenoptimierung um steigende Gewinne zu realisieren. Der Unternehmensgewinn hat sich nämlich in den letzten vier Jahren fast verdoppelt.

Bewertungen

Im Durchschnitt gab es die letzten 5 Jahre 3,0% Dividendenrendite für Unilever. Nach dem Kursrückgang in den letzten Monaten gibt es momentan sogar 3,17% Dividende auf den aktuellen Kurs. Das lässt auf eine aktuell (quasi) faire Bewertung des Unternehmens schließen.
Vom fairen Wert nach KGV (ca. 49€) und dem dem fairen Wert nach KCV (46€) sind wir noch etwas entfernt.

Einschätzung nach Peter Lynch

 MerkmalEmpfehlung
Slow Growershohe Dividende, Wachstum >3%kaufen wenn Dividende über eigenem Durchschnitt
Stalwartsmittlere Dividende, Wachstum 5-10%kaufen wenn KGV unter eigenem Durchschnitt
Fast Growerskleine Dividende, Wachstum >10%Buy & Hold
Zyklikerabhängig von Konjunkturkaufen bei geringen Margen, verkaufen bei hohen Margen
Turnaroundskurz vor Insolvenztiefes Verständnis nötig, größtes Risiko dafür größte Chancen
Assetplayversteckte Assets

Nach Peter Lynch handelt es sich bei Unilever um einen Average-Grower (Stalwarts). Damit beschreibt er einen zwar großen Konzern, der aber trotzdem noch Potenzial zum wachsen hat. Gerade für Einkommensorientierte Investoren bieten Unternehmen in dieser Kategorie spannende Möglichkeiten im Dividendenwachstum.
Gekauft werde sollen dies Unternehmen, wenn das KGV den historischen Durchschnitt unterschreitet. Hiervon ist Unilever leider noch etwas entfernt (ca. 2€ pro Aktie).

Fazit

In wirtschaftlich richtig guten Zeiten können sich Unternehmen wie Unilever gegen Technologiekonzerne schwer behaupten und geraten etwas in Rückstand. Trotzdem wird die Zeit kommen, wo Konsumgütergiganten ihre Stärken ausspielen können. Besonders in Rezessionen wird Unilever als eine Art Anker im Depot fungieren, da man sich kaum abhängig vom Wirtschaftszyklus macht.

Global betrachtet wird ein immer weiter wachsender Konsum zu stillen sein, besonders in den Schwellenländern. Mit Unilever kann man sich einen nicht zu offensiven Wert ins Depot legen, der trotzdem langfristiges Dividendenwachstum verspricht. Dabei verfolgt man mit dem nachhaltigen Ansatz sicherlich einen zukunftsweisenden Trend.

Dieser Artikel versteht sich nicht als Anlageempfehlung sondern gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder.

Quellen: unilever.com, wikipedia.org, finance.yahoo.com, finanzen.net, google finance, aktienfinder.net

8 Kommentare bei „Unilever – Konsumgüter im Jahr 2020?“

  1. Ich bin über das Aktienanalysen-Verzeichnis des Aktienfinders auf deine Seite gestoßen.
    Das Design deiner Seite gefällt mir gut, den Artikel über Unilever finde ich ganz ok. Folgende Verbesserungspunkte sehe ich:
    – Übersicht mit Daten und Fakten stammt aus 2017, ist also schon ca. 3 Jahre alt
    – Die aufgeführten Marken sind zum Teil veraltet. Botterram, Du Darfst, Flora (Becel) gehören z.B. seit 2018 nicht mehr zu Unilever
    – Der Grund für den starken Kursrückgang im Dezember (Umsatzwarnung) wird nicht besprochen
    – Du schreibst, dass der Umsatz stagniert. In der abgebildeten Grafik wird allerdings ein positiver Sales Growth gezeigt.
    – Als Risiko würde ich noch den Trend zu günstigen Eigenmarken von Supermärkten und Drogerien aufführen
    Um einen ersten Überblick über das Unternehmen zu bekommen ist der Artikel aber sicher gut geeignet.
    Ich habe vor Kurzem übrigens bei Unilever nachgekauft 🙂

    1. Hallo Hendrik,
      vielen Dank für dein Feedback!
      Die Übersicht der Daten und Fakten wird so von offizieller Seite immer noch von Unilever kommuniziert. Dass diese aus 2017 stammt, steht auch dabei. Trotzdem fand ich die Daten und Fakten als kleinen Blick in die Vergangenheit interessant. 🙂
      Bei den Marken hast du natürlich recht. Da habe ich mich wohl zu sehr auf unsere Quelle verlassen und hätten auf der offiziellen Unilever Seite nachprüfen sollen. Wurde ausgebessert.
      Wie du sagst, wurde die Umsatzwarnung im Dezember ausgesprochen, hier haben wir uns hingegen auf den Abwärtstrend an sich konzentriert. Es gäbe viele weitere spannende Fakten, leider würde das jedoch den Rahmen einer einfachen Aktienvorstellung/Analyse sprengen und wir versuchen den Lesern kompakt das wichtigste zu vermitteln. Auf deinen Wunsch hin wurde die Umsatzwarnung jetzt trotzdem hinzugefügt.

      Unilever wird dir sicherlich langfristig Freude bereiten!

      Viele Grüße und erfolgreiche Investments,
      Florian vom Verticalinvest-Team

  2. Vielen Dank für diese gelungene Übersicht. Solch kompakte Analysen helfen dem Investor bei der Ausschau nach neuen Anlagemöglichkeiten Zeit zu sparen. Weiter so!

    1. Vielen Dank für das Lob, wir geben unser Bestes! 😉

  3. Hey,
    Danke für deine Analyse.
    NL hat zum 01.02.2020 die quellensteuer entfernt dies kannst du gerne mal prüfen.
    Freue mich auf weitere Analysen von dir.
    Greetz

    1. Hallo Basht,
      vielen Dank für den Hinweis, das hab ich wohl zum Jahreswechsel gar nicht mitbekommen!
      Sogar am 01.01.2020 wurde die Quellensteuer in den Niederlanden abgeschafft. 😉

      Viele Grüße,
      Flo

  4. Hi
    NL hat seit 2020 auch keine Quellsteuer mehr !!

    1. Hi Mark,
      wurde bereits ausgebessert, danke!

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