Zyklische Aktien und wie man sie handhabt

Schaut man auf den Kurs einiger Aktien, kann man nicht nur kurzfristige, sondern auch länger andauernde und immer wiederkommende Auf und Abs feststellen. Manche davon haben ihre Gipfel und Täler sogar im gleichen Zeitraum, andere vielleicht leicht versetzt. Ist bekannt, dass das betrachtete Unternehmen von der aktuellen Wirtschaftslage abhängig ist, handelt es sich um eine zyklische Aktie. Doch wie sieht eine korrekte Handhabung an der Börse aus?

Die Kategorie der Zykliker

Aktien kann man bekanntlich in verschiedene Kategorien einordnen. Eine weit verbreitete Methode der Kategorisierung ist jene von Peter Lynch.

 MerkmalEmpfehlung
Slow Growershohe Dividende, Wachstum >3%kaufen wenn Dividende über eigenem Durchschnitt
Stalwartsmittlere Dividende, Wachstum 5-10%kaufen wenn KGV unter eigenem Durchschnitt
Fast Growerskleine Dividende, Wachstum >10%Buy & Hold
Zyklikerabhängig von Konjunkturkaufen bei geringen Margen, verkaufen bei hohen Margen
Turnaroundskurz vor Insolvenztiefes Verständnis nötig, größtes Risiko dafür größte Chancen
Assetplayversteckte Assets

Dieser beschreibt Zykliker als abhängig von der Wirtschaftslage. Steigt diese, nehmen auch die Kurse überdurchschnittlich zu. Im Umkehrschluss ist bei einer abnehmenden Konjunktur aber auch ein schnellerer Kursverlust als bei nicht zyklischen Aktien möglich.

Konkret wir das durch den Betafaktor beschrieben. Bei Beta = 1 verhält sich die Aktien bei Schwankungen exakt wie der Marktdurchschnitt. Bei einem Beta-Wert < 1 schwankt die Aktie weniger und im Umkehrschluss bei Beta > 1 mehr als der Markt. D.h. eine Aktie mit Beta = 2 steigt ungefähr doppelt so stark bei einer guten Marktphase, fällt bei einer schlechten aber auch ca. zweimal so tief wie der Marktdurchschnitt.
Infolgedessen besitzen Zykliker typischerweise hohe Beta-Werte.

Beispiele von zyklischen Aktien

Nach der volkswirtschaftlichen Wachstumstheorie kann das Wirtschaftswachstum mit einer wiederkehrenden Wellenform verglichen werden. Nach der Aufschwungsphase (Expansion) folgt die Hochkonjunktur (Boom). Diese klingt ab und führt zu einer Abschwungsphase (Rezession), welche schlussendlich in einer Tiefphase (Depression) endet. Danach beginnt das Spiel von neuem.

Konjunkturzyklus (Bild: wikipedia.org)

Als nicht zyklisch werden vor allem die Branchen der Versorgungsunternehmen, Lebensmittelhersteller und des Gesundheitssektors eingestuft. Ganz logisch: auch in Krisenzeiten werden Menschen weiterhin Nahrung, Strom, Wasser, Gas und medizinische Versorgung benötigen. Gespart wird dann wohl eher bei Luxusgegenständen.

Ein gutes Beispiel für zyklische Unternehmen sind deshalb Autobauer. Werden Jobs unsicherer und bauen Menschen Reserven für bevorstehende Zeiten auf bzw. befinden sie sich gar schon in diesen, muss der alte Golf doch noch etwas länger gefahren werden und der neue Mercedes wird erst bei einer solideren finanziellen Situation gekauft.

Am Beispiel der deutschen Autobauer lässt sich aber auch ableiten, dass bei weniger verkauften Autos auch weniger einzelne Komponenten benötigt werden. Und wer ist für diese zuständig? Zulieferer, das nächste konjunkturabhängige Glied in der Kette.

Ein typisches Beispiel hierfür: der deutsche Chemiekonzern BASF. Auch wenn das Unternehmen nicht ausschließlich für die Automobilbranche tätig ist, werden neben Ölen und Schmierstoffen auch notwendige Kunststoffe hergestellt. Somit ist ein großer Teil des Umsatzes also von der Fahrzeugindustrie abhängig (um nur ein Beispiel zu nennen).

Handhabung von Zyklikern an der Börse

Natürlich bringen zyklische Aktien auch ordentlich Rendite, wenn sie korrekt gehandhabt werden. Dabei können sie jedoch bei einem langfristigen Aktiensparplan oft unter dem Marktdurchschnitt performen. Wie geht man also vor?

Peter Lynch rät hier, im Tiefpunkt zu kaufen und im Hoch zu verkaufen. In der Praxis ist das leider nicht ganz so einfach. Wann hat eine Aktie denn ihren Tiefpunkt erreicht?

Bekanntlich sind Einschätzung der wirtschaftliche Lage nur im Nachhinein einfach. Woran man sich jedoch orientieren kann, sind erste Anzeichen eines Rückganges der Wirtschaft. Der nachhaltige Wechsel von sinkender zu steigender Arbeitslosenquote, pessimistische Prognosen und fehlende Investitionen sind Indizien eines Abschwungs.

Fazit

Die momentane Marktlage kann zwischen Aufschwung und Boom eingestuft werden. Niedrige Zinsen, ein hervorragendes Börsenjahr 2019 und die vielerorts sinkende Arbeitslosigkeit sind nur einige Beweise, die dafür sprechen.
Dennoch erfordern zyklische Aktien Aufmerksamkeit und ständiges Beobachten des Marktes, aber auch der Sparten und Großkunden des Unternehmens. Der Fleiß zahlt sich bei korrekter Handhabung am Ende aus: eine überdurchschnittlichen Marktrendite!

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